LRS-Förderkonzept

Ausgangslage

„LRS – Leserechtschreibschwäche“, „Legasthenie“, „Dyslexie“ oder einfach „Probleme beim Erwerb der Schriftsprache“ sind Begriffe, die auf die Schwierigkeiten von Kindern und Jugendlichen im Bereich des Lesens und Schreibens verweisen. Ihr erstes Problem liegt aber wohl in der fehlenden Trennschärfe der Begrifflichkeiten selbst. All diese Beschreibungen werden häufig gleichbedeutend verwendet und erschweren die Diagnose und Aufklärung der Eltern und Kinder.

Die Vielfalt der Begrifflichkeiten zeigt aber auch die Bedeutsamkeit des Themas in der Forschung, in der Schule und im Elternhaus. Auch die Erfahrung an der Abraham-Frank-Sekundarschule zeigt, dass immer mehr Kinder, die an unserer Schule eingeschult werden, nicht ausreichend lesen und schreiben können. Der in allen Klassen 5 durchgeführte Leseverständnistest (ELFE-Test), die Hamburger-Schreib-Probe (HSP) sowie die Beobachtungen aus Klassenarbeiten und Unterrichtsaufgaben zeigen, dass eine kontinuierliche Förderung der Schülerinnen und Schüler in diesem Bereich dringend notwendig ist.

Das sinnentnehmende, flüssige Lesen und das fehlerfreie Schreiben stellen eine zentrale Grundlage für alle Fächer und den späteren Lebensweg der Schülerinnen und Schüler dar. Es ist einleuchtend, dass eine fehlende rechtzeitige Hilfe unweigerlich zu Frustrationen, schulischem Misserfolg sowie Beeinträchtigungen des Selbstwertgefühls führen kann. Darum steht jeder Schülerin und jedem Schüler eine Förderung im Bereich Lesen und Schreiben zu, ganz egal wie stark ausgeprägt seine Schwäche ist.

Die vorliegenden Bausteine begreifen eine Leserechtschreibschwäche als vorwiegend pädagogisches Problem, d.h. durch eine gezielte Förderung können Stärken gestärkt und Schwächen abgeschwächt werden. Die Bausteine geben somit eine Orientierung für eine Umsetzung entsprechend der schulrechtlichen Vorgaben.

Rechtlicher Rahmen - Erlasse

Die Bausteine des Förderkonzepts beruhen auf den Vorgaben zur „Förderung von Schülerinnen und Schülern bei besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Rechtschreibens (LRS)“ (BASS 14-01 Nr.1).

Entsprechend der Vorgaben obliegt es der Schule geeignete pädagogische Maßnahmen zur Förderung zusammenzustellen. Eine kontinuierliche, individuelle Förderung soll gewährleistet sein. Dies ist auch ohne ärztliches Attest zu gewährleisten. Den Deutschlehrern obliegt dabei die Diagnose und Einteilung der Fördermaßnahmen.

In den Erlassen werden vor allem „Kann-Bestimmungen“ formuliert, die eine Vielzahl von Fördermaßnahmen aufzeigen, die allerdings nicht bindend sind. Sie werden im Folgenden als Freiraum interpretiert, der für die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler genutzt werden kann.

Die Abraham-Frank-Sekundarschule verbindet somit allgemeine Fördermaßnahmen im regulären Deutschunterricht (innere Differenzierung) mit einem Förderband (äußere Differenzierung), das fest im Stundenplan des jeweiligen Jahrgangs verankert ist.

Auch die Leistungsbewertung ist entsprechend des LRS-Erlasses flexibel und individuell gestaltbar. So können bei schriftlichen Arbeiten und Übungen verschiedene Hilfestellungen geleistet werden. Die Abraham-Frank-Sekundarschule ermöglicht allen Schülerinnen und Schülern bereits eine Vielzahl Hilfestellungen durch ihr Schulprogramm. So ermöglicht die längere Lernzeit von 67 Minuten ein Verfassen von Klassenarbeiten ohne Zeitdruck. Die Differenzierung der Klassenarbeiten in mindestens zwei Niveaustufen gewährleistet Hilfestellungen in Form von Formulierungshilfen und vereinfachten Aufgabenstellungen. Darüber hinaus kann zusätzlich von der Benotung der Rechtschreibleistung abgesehen werden. Für die Zeugnisse ist die Rechtschreibung bei der Bildung der Note im Fach Deutsch zurückhaltend zu gewichten. Diese Maßnahmen lassen sich auch auf andere Fächer übertragen.

Umsetzung im Förderkonzept der Abraham-Frank-Sekundarschule

Der Abraham-Frank-Sekundarschule ist es wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler nicht nur im Bereich der Rechtschreibung an ihren Schwachpunkten arbeiten, sondern auch das Lesen als zentrale Kompetenz anerkennen. Beide Förderschwerpunkte bedingen sich gegenseitig und beziehen auch Aspekte der Aussprache und Körpersprache mit ein.

Folgende Kernpunkte lassen sich für die Umsetzung festhalten:

  1. Eine äußere Differenzierung anhand einer umfangreichen Ausgangsdiagnose ist die Grundlage für das Fördern und Fordern in kleinen Lerngruppen.
  2. Die Erweiterung und Stabilisierung der Rechtschreib- und Lesekompetenz ist ein kontinuierlicher Prozess, der ggf. auch über die Klasse 6 hinausgehen kann.
  3. Die Lese- und Rechtschreibförderung ist nicht alleine Aufgabe des Deutschunterrichts, auch die anderen Fachschaften müssen Verantwortung tragen.
  4. Eine erfolgreiche Förderung braucht ein entsprechendes Lernklima in den einzelnen Kursen mit unterschiedlichem Material und motivationsfördernden Maßnahmen und Aktivitäten.

Diagnose, Evaluation und Dokumentation

Die Ausgangsdiagnose erfolgt zu Beginn des ersten Schulhalbjahres der Klasse 5 für alle Schülerinnen und Schüler im Klassenverband. Als Diagnosegrundlage dienen der ELFE-Test sowie die Hamburger-Schreib-Probe (HSP 4/5). Darüber hinaus werden auch die Leistungen der ersten schriftlichen Arbeiten sowie die Beobachtungen aus dem unterrichtlichen Geschehen mit einbezogen. Ebenfalls interessant sind vorliegende Gutachten und Anmerkungen der Grundschulen.

Auf dieser Grundlage können die Schülerinnen und Schüler entsprechend ihrer Fähigkeiten in Förder- aber auch Forderkurse eingeteilt werden.

Regelmäßige Evaluationen des Lernstandes finden mit Hilfe weiterer Tests statt. Sowohl die HSP als auch der ELFE-Test bieten fortlaufende Testverfahren an, die Schwierigkeitssteigerungen beinhalten. Entsprechend der jeweiligen Altersstufe können Aussagen zum Entwicklungsstand gegeben werden.

Eine Dokumentation über die Einteilung und den entsprechenden fächerübergreifenden Nachteilsausgleich erfolgt über ein Zusatzblatt zum 2. Halbjahreszeugnis der Jahrgangstufe 5 und 6. Ähnlich einer schriftlichen Förderempfehlung wird die weitere Kurseinteilung dokumentiert. Damit kann ein späterer Nachteilsausgleich für die ZAP begründet werden.

Förder- und Forderkurse

Aus der Diagnose ergibt sich eine Einteilung in ein dreigliedriges Kurssystem. So gibt es einen LRS-Kurs (*-Niveau), einen Basis-Förderkurs (**-Niveau) und einen Forderkurs (***-Niveau) mit jeweils unterschiedlichen Übungsschwerpunkten. Die Niveau-Stufen finden sich auch im regulären Deutschunterricht wieder und ermöglichen ein vernetztes, übergreifendes Arbeiten. Die einheitliche Systematik erleichtert den Informationsaustausch und die Kooperation der beteiligten Kollegen.

So arbeiten alle Kursgruppen mit einheitlichen Symbolen, die auch an die anderen Fachschaften weitergegeben werden. Die gewählten Symbole entsprechen der FRESCH-Methode (Freiburger-Rechtschreibschule) und finden sich bereits in vielen Lehrwerken wieder.

In der Klasse 5 und 6 wird für die Förderung ein Lernstudio (45 Minuten) festgeschrieben. Ab der Klasse 7 kann je nach Bedarf eine Lernstudio-AG gewählt werden.

Für eine effektive Förderung wären weitere Lernzeiten wünschenswert.

LRS-Kurs *

In kleinen Lerngruppen mit max. 12 Schülerinnen und Schülern wird in diesem Kurs eine spezielle LRS-Förderung durchgeführt. Die Schülerinnen und Schüler erlernen Strategien für Rechtschreibprobleme und üben das sinnentnehmende Lesen. Ggf. kann hier die Alphabetisierung erneut erlernt werden. So beginnen die Schülerinnen und Schüler entsprechend der Fresch-Methode mit der Strategie „Schwingen“. Je nach Leistungsstand der Schülerinnen und Schüler kann auch auf die Konzentrationsfähigkeit, die feinmotorische Arbeit mit dem Stift, die Aussprache oder den Wortschatz eingegangen werden. Insbesondere Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund können in diesem Kurs kleinschrittig ihre Sprachkenntnisse erweitern.

Gearbeitet wird in diesem Kurs mit den Arbeitsheften „Richtig schreiben – aber sicher“ vom Klett-Verlag sowie dem Wortstark Basis-Material vom Schroedel-Verlag. Dieses Material lässt gut mit der Fresch-Methode verbinden und ergänzen.

Basis-Kurs **

Im Basis-Kurs können Rechtschreibprobleme gelöst, Leseaufgaben gestellt und grammatische Strukturen des Deutschen erarbeitet werden. Passend zum jeweiligen Thema im Deutschunterricht werden hier Aufgabenstellungen wiederholt und vertieft. Die Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit an einzelnen Fehlerschwerpunkten zu üben und Strategien zu erlernen oder zu vertiefen.

Auch hier ist es möglich, dass auf die Strategien der Fresch-Methode zurückgegriffen werden kann. Jedoch sollen die Schülerinnen und Schüler verstärkt in der Lage sein sich Regeln selbstständig herzuleiten.

Gearbeitet wird in diesem Kurs v.a. mit dem Wortstark Basis-Material vom Schroedel-Verlag. Es wird aber auch auf das Material der Fresch-Methode zurückgegriffen. 

Forderkurs ***

Im Forderkurs befinden sich Schülerinnen und Schüler mit guten Leistungen im Bereich Lesen- und Schreiben. Hier geht es darum Schülerinnen und Schüler zu fordern. So können sich in diesem Kurs Schülerinnen und Schüler treffen, die einen gymnasialen Standard erreichen können. Sie erhalten die Möglichkeit vertiefende Aufgaben zum jeweiligen Thema des Deutschunterrichts zu bearbeiten, sich mit komplexeren grammatikalischen Strukturen auseinanderzusetzen, umfangreichere Texte zu lesen und kreative Schreibaufgaben zu lösen.

Das Nachdenken über Sprachverwandtschaften und Sprachwandel kann hier ebenfalls zum Thema gemacht werden.

Gearbeitet wird in diesem Kurs mit dem Wortstark Plus-Material vom Schroedel-Verlag.






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